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Amerika
Zeit für besondere Hotels
Hotelbericht

Franschhoek, Sterrekopje Healing Farm

Ein Ort für Zeit

Am Ende unseres Südafrika-Trips besuchen wir die Sterrekopje Healing Farm bei Franschhoek. Das Anwesen ist groß, die Gebäude liegen weit auseinander, eingebettet in eine hügelige Landschaft.

Man braucht Zeit, um sich zu orientieren, und genau diese Zeit nimmt man sich hier automatisch.

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Gewachsen über Jahrhunderte 

Sterrekopje ist eine gewachsene Farm. Einige Gebäude stammen aus dem 17. Jahrhundert, andere wurden später ergänzt. Die ehemaligen Stallungen, Scheunen und Wirtschaftsgebäude werden heute von den Gästen genutzt. Suiten, Gemeinschaftsräume und das Spa verteilen sich über das Gelände. Die Mauern sind dick, ihre Geschichte bleibt sichtbar. Nichts wirkt rekonstruiert oder neu gedacht, eher weitergeführt. Die Gärten greifen das auf: wild, fast ungeordnet, und doch bewusst angelegt. Entworfen wurden sie vom südafrikanischen Landschaftsarchitekten Leon Kluge. 


Nach der Ankunft bekommen wir eine Fußmassage. Sie ist intensiv und tut gut. Danach wird alles langsamer. Auf dem Weg zu unserem Zimmer merken wir, wie wenig erklärt wird. Wir kommen an, ohne geführt zu werden.

Räume mit Charakter 

Die Suite ist groß und mit viel Gefühl eingerichtet. Möbel und Accessoires stammen aus unterschiedlichen Kontexten, vieles wurde auf Reisen gesammelt. Bunte Stoffe, afrikanische Muster, großformatige Gemälde, in der Mitte des Raumes ein Bett mit Baldachin, an der Decke ein riesiger Holzventilator, der leise vor sich hin summt. Es gibt zwei Badezimmer, eines davon mit Schminktisch, das andere für meinen Mann. Überall Tontöpfchen und Tiegel mit Cremes, Shampoos und Ölen aus eigener Herstellung. Ich mag das sofort.


Genauso wie die antike Kommode, in der sich die Minibar befindet. Espressomaschine, selbstgebackene Cookies, Limonaden, Säfte, unterschiedliche Kräutertees und südafrikanischer Wein. Auf der Terrasse mit Blick in die Landschaft stehen zwei Daybeds, darüber eine Markise aus Bast. Bei 38 Grad im Februar ein guter Ort zum Bleiben.

Farm-to-Table, wann man möchte

Frühstück, Lunch und Dinner folgen hier keinem Plan. Wir essen, wenn wir Hunger haben, dort, wo es uns gerade am besten gefällt. Das meiste kommt von der Farm und wird sorgfältig zubereitet. In der großen offenen Küche stehen Gläser mit Eingemachtem, Körbe mit Obst und Gemüse. Man nimmt sich, was passt. Es gibt eine eigene Backstube. Die Croissants sind sehr gut, auch wenn die Küchenchefin meint, sie seien noch nicht so wie in Paris. 


Am Morgen gehe ich um acht Uhr zum ‚Yoga Yurt‘, einem großen Zelt, in dem Innen und Außen ineinander übergehen. Ich stehe nicht gern früh auf und mache selten Yoga, trotzdem fühlt es sich hier richtig an. Die Lehrerin führt ruhig durch die Stunde. Ohne große Inszenierung, ohne Druck. Die Bewegungen fließen.

Unterwegs 

Zwischendurch leihen wir uns Fahrräder und erkunden das weite Gelände. Wir fahren an Pferdekoppeln vorbei, an Gemüsegärten, an alten Stallungen, in denen heute vereinzelt die Sanctuaries untergebracht sind. Wir begegnen kaum jemandem. Wir schwimmen im kleinen See und lassen uns auf dem Boot treiben. Und machen einen Zwischenstopp bei den zwei Schweinen, die in ihrem eigenen kleinen Häuschen leben. Sie wirken ruhig und entspannt, wahrscheinlich weil sie nicht zum Verzehr gehalten werden.


Das Spa Haus mit Teich zum Abkühlen liegt etwas abseits. Meine Masseurin ist fröhlich und weiß, was sie tut. Wir lachen viel, und für meinen leichten Sonnenbrand vom Boot bekomme ich eine Creme, die schnell Linderung bringt.

Begegnungen 

Überhaupt sind die Menschen auf der Farm offen, unaufgeregt und gut gelaunt. Das Leben hier scheint ihnen zu gefallen. Fragen werden beantwortet, Gespräche ergeben sich. Wir fühlen uns willkommen, ohne übertrieben umsorgt zu werden. Es bleibt persönlich, ohne zu privat zu sein. 


Vieles auf Sterrekopje lässt sich als „Healing“ empfinden. Zeit, Ruhe, Essen, Bewegung. Was anderswo organisiert wird, ist hier selbstverständlich.

Dass das so ist, hat mit den beiden Frauen zu tun, die hier leben und arbeiten. Fleur Huijskens und Nicole Boekhoorn haben die Farm für sich entdeckt, übernommen, renoviert und weiterentwickelt. Sie haben sich bewusst gegen klassische Hotelstrukturen entschieden und einen Ort geschaffen, an dem nichts vorgegeben wird. 


Auch wenn die Landschaft rund um Franschhoek mit ihren Weinbergen und den sanften Hügeln zu Wanderungen einlädt, verlassen wir die Farm in den drei Tagen kein einziges Mal. Es gibt keinen Grund, etwas anderes zu suchen. 


Mein Fazit: Die Sterrekopje Healing Farm funktioniert nicht über Effekte. Sie erschließt sich mit der Zeit. Am Ende bleiben Erinnerungen. An Hitze, Gerüche, gutes Essen, Begegnungen und Ruhe. Mehr braucht es nicht.

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