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Amerika
Zeit für besondere Hotels
Hotelbericht

Egg, Fuchsegg

Abschalten zwischen Blaubeere und Steinpilz

Dass Holz für das Fuchsegg im Bregenzerwald eine große Rolle spielt, erschließt sich mir auf den ersten Blick. Vor allem Fichte, aber auch Weißtanne und Ahorn prägen die sechs langgestreckten Gebäude, die sich in die sanften Hügel ducken und ein stimmiges Ensemble bilden. Es wirkt, als ob es schon immer hier gestanden hätte.

Das Ganze wirkt warm, einladend und eng mit der Natur verbunden.


Sehr bewusst möchte man weder Fremdkörper in der alten Kulturlandschaft sein noch sich vom Außen herum abgrenzen, wie mir Inhaberin Carmen Can erklärt.

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Die Landschaft, die Kultur, die Vorsäßhütten, die Füchse und die großen Heidelbeervorkommen im Bregenzerwald haben Carmens Kindheit geprägt. So sehr, dass sie sich ihren Wunsch, diesen Ort mit anderen zu teilen, 2020 mit dem Fuchsegg erfüllt hat.


Neben der nachhaltigen Grundhaltung ist Carmen Can auch das Miteinander wichtig, sie nennt es „Gemeinsamzeit“: gemeinsame Stunden in der Bibliothek, Spieleabende, Natur erleben, zusammen essen, feiern und einfach Zeit miteinander verbringen. Gelassen und undogmatisch umgesetzt, funktioniert dieses Konzept erstaunlich gut, wie ich während meines Aufenthaltes erlebe. 

Das Außen und das Innen: die Eco-Architektur im Fuchsegg

Die Fassade der sechs einzelnen Gebäude wird vom gelblich-rötlichen, naturbelassenen Holz der heimischen Fichte geprägt. Die Farbtöne wandeln sich im Lauf der Zeit zur typischen silbergrauen Patina, die schließlich mit der Berglandschaft verschmilzt.


Die Vorsäßhütten im Ortsteil Schetteregg dienten den Bregenzer Architekten Ludescher + Lutz als Vorbild bei der Planung.


Übrigens: Vorsäß bezeichnet in der dreistufigen Almwirtschaft die Mittelalpe, auf der man Frühling und Herbst verbringt. Im Winter bleibt man im Tal, im Sommer auf der Hochalpe. Das Vorsäß galt dabei immer als die ungezwungenste und geselligste Stufe.


Das Fuchsegg greift diese historische Holzbauweise auf und interpretiert sie modern. Besonders gut gefallen mir die beweglichen Lamellen, die außen die Fassade strukturieren, innen vor Sonne schützen und gleichzeitig interessante Ausblicke ermöglichen. 

Farbharmonie: von Blaubeere und Steinpilz inspiriert

Auch im Inneren meiner Wälder-Suite begegnet mir heimisches Holz. Sägeraue Weißtanne an den Wänden, Ahorn, Ulme und Esche schaffen eine ruhige, warme Atmosphäre. Mein persönliches Highlight: das Sieben-Kräuter-Körnerkissen. Endlich finde ich als überzeugte Körnerkissen-Schläferin ein perfektes Kissen vor.


Was Carmen Can im Gespräch beschreibt, entdecke ich auch in den Farben der Suite: die unterschiedlichen Töne der Heidelbeere als Akzente auf Lampenschirmen oder im Wollfilz auf dem Kanape. Dazu die erdigen Nuancen des Steinpilzes in den Hölzern, beim Naturstein im Bad sowie im gespachtelten Lehm-Kaseinboden in der Suite.


Das schöne Interior wirkt durchdacht, aber nie inszeniert. Auch die Zusammenarbeit mit lokalen Tischlern, Polsterern und Leuchtendesignern trägt dazu bei, dass überall handwerkliche Qualität spürbar wird.


Besonders bleiben mir die Ahorn-Tischplatten im Restaurant in Erinnerung. Beim Abendessen ertappe ich mich immer wieder dabei, wie meine Hände über die samtige Oberfläche und die weich gerundeten Ecken streichen. 

Gemeinsamzeit: Begegnung als Konzept

Hölzer und Farbkonzept begleiten mich im gesamten Fuchsegg, die schlichte Klarheit ohne viel Dekoration trifft voll meinen Geschmack. Hingucker in luftiger Höhe sind auch die Deckenleuchten. Ob in der Lounge, der Bibliothek, im Yogastudio oder dem Tagungsbereich: Ein Blick nach oben lohnt sich.


Neues entdecken, ob bei sich oder um sich herum, gehört für Carmen Can zum Fuchsegg dazu. Wer zum Essen gehen möchte, muss sich „auf den Weg machen“. Also raus aus dem Zimmer, hinein in Schnee oder Sonnenschein, über Kiesweg oder Wiese. Morgenluft schnuppern oder dem abendlichen Grillenkonzert lauschen. Der Natur begegnen und, wenn man Glück hat, vielleicht sogar den Fuchs sehen.


Die offenen Räume laden zu Begegnungen und Gesprächen mit anderen Gästen oder den freundlichen Mitarbeitern ein. Kinder spielen in der großen Tenne, Erwachsene sitzen vor dem Kachelofen oder stöbern in der Bibliothek. 

Gutes aus der Gegend

Die Küche setzt auf Regionalität und handwerkliche Klarheit. Schon morgens fällt die Auswahl schwer: verschiedene Brotsorten, Semmeln, Croissants, Müsli, Säfte, Alpkäse und frische Eierspeisen. Auch Sonderwünsche werden erfüllt. Mein Frühstückshighlight: der Himbeer-Crumble.


Abends endet der Tag mit einem genussvollen 3-Gänge-Menü. Frisches Brot aus dem Steinofen, Spargel mit Wachtelei und Kartoffel-Bärlauch-Soufflee, rosa gebratenes Hirschkeulensteak mit Heidelbeer-Kardamom-Soße und zum Abschluss ein Kürbiskernöl-Nuss-Parfait.


Die Gerichte sind frisch und drei Gänge völlig ausreichend. Hungrig geht hier niemand schlafen.


Auch die Weinkarte bleibt regional und konzentriert sich auf Österreich und den Bodenseeraum. Der Grauburgunder, den die kompetente Sommelière mir empfiehlt, schmeckt ausgezeichnet. 

Relaxen im Saunahaus 

Mittelpunkt der Fuchsegg Lodge ist das Saunahaus mit ganzjährig beheiztem Outdoorpool – umweltfreundlich dank Biofernwärme.


Große Fenster in allen Räumen öffnen den Blick in die grünen Wipfel des Bregenzerwaldes.


Nach meinem Saunagang entspanne ich draußen in der Natur. Ich schließe die Augen, höre die Vögel, den Wind in den Bäumen und denke darüber nach, was das Fuchsegg ausmacht.


Vielleicht genau diese Ruhe. Die Reduktion. Und das Gefühl, dass hier nichts laut sein muss, um in Erinnerung zu bleiben.

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