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Amerika
Zeit für besondere Hotels
Hotelbericht

Ehrwald, eriro Alpine Hide

Entrückt. Speziell. Wunderbar.

Bereits an der Talstation der Ehrwalder Almbahn bekommen wir einen Vorgeschmack darauf, wie lässig und unkompliziert es im eriro zugeht. Hannes erwartet uns dort, zeigt uns, wo wir das Auto abstellen können, nimmt unser Gepäck und wenige Minuten später sitzen wir schon in der Gondel.

Mit jedem Höhenmeter wird der Blick weiter. Vor uns das Zugspitzmassiv, ringsherum die Tiroler Bergwelt und irgendwann das Gefühl, die Dinge unten im Tal zurückzulassen. Auf 1.550 Metern angekommen, sind es nur noch ein paar Schritte zu Fuß über die blühende Almwiese, bis wir das eriro erreichen.


Von außen erinnert die Architektur mit viel Holz, Naturstein und den großen Satteldächern an die traditionelle alpine Bauweise, nur eben zeitgemäß interpretiert.


Die Familien Posch, Spielmann und Mader aus Ehrwald haben hier ihre Vorstellung von einem Rückzugsort in den Bergen verwirklicht. Im Mittelpunkt stehen Reduktion, Qualität, die Nähe zur Natur und die Verbundenheit mit ihrer Heimat. Dazu passt auch der Name eriro, der sich aus dem Althochdeutschen ableitet und auf die sprachlichen Wurzeln des Ortsnamens Ehrwald verweist.

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Ankommen im eriro

Wir betreten das eriro und stehen in einem großen, lichtdurchfluteten Raum mit einem langen, massiven Holztisch, einem freistehenden Kamin, kleinen Sitzinseln und riesigen Fensterflächen, hinter denen die Berge fast wie gerahmte Landschaftsbilder wirken. Eine Lobby im herkömmlichen Sinn gibt es nicht.


Sandra begrüßt uns herzlich und fragt, ob wir etwas essen möchten. Möchten wir unbedingt. Wir setzen uns in eine der eiförmigen Sitznischen mit Blick nach draußen. Dass hier Wert auf Details gelegt wird, sieht man an den Keramiktellern, am Besteck und an der kleinen Tischleuchte, die in einem Ast steckt. Serviert werden hausgemachte Fleckerl mit Wirsing und Kräutern. Einfach und sehr gut.


Kein Check-in, keine Formalitäten. Erst einmal ankommen und etwas essen.


Überhaupt geht es im eriro ziemlich unkonventionell zu. Später bekommen wir dicke Schafwollsocken geschenkt und erfahren, dass wir damit selbstverständlich auch zum Dinner kommen können. Es gibt keinen Dresscode und auch sonst keine Regeln, die den Tagesrhythmus bestimmen. Hauptsache, man fühlt sich wohl.

Design, Materialien und Details

In unserer Boum-Suite fühlen wir uns schon mal sehr wohl. Ein kleiner Stein mit eingeritzter Nummer drei vor der Tür zeigt uns, dass wir hier richtig sind. Es gibt insgesamt nur neun Suiten, die „kleinsten“ beginnen bei rund 65 Quadratmetern.


Holz, Stein, Lehm, Loden, Filz und Schafwolle sind auch hier die vorherrschenden Materialien und sorgen dafür, dass die moderne, reduzierte Gestaltung trotzdem warm und wohnlich wirkt.


Mitten im Zimmer steht ein langer Badetrog aus dem Stamm einer Zirbe, der mich irgendwie an alte Winnetou-Filme erinnert.


Ankleide und Toilette verbergen sich hinter einer strukturierten Holzschiebewand. Auf einer schönen, unbehandelten Kommode steht ein Plattenspieler samt Marshall-Verstärker.


Vom Bett aus können wir auf die Berge blicken. Einen Fernseher gibt es nicht. Dafür ein Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel auf dem Tisch unserer Sitzecke.


Weitere Details entdecken wir nach und nach: die handgefertigten Holzarmaturen im Bad, die wie verzweigte Äste aussehen, die geschmiedeten Brausen in der begehbaren Regendusche, die eigens entworfenen Lampen und immer wieder kleine Holzschnitzereien, Geflochtenes und Gewebtes.


Wir legen Johnny Guitar Watson auf, drehen ein bisschen lauter und fangen an zu tanzen.


Vielleicht geht es im eriro auch darum: wieder Raum für Dinge zu haben, die man lange nicht mehr gemacht hat.

Was man hier macht oder auch nicht

Erstaunlich viel, wenn man Lust dazu hat.


Man kann direkt vom Haus aus loswandern oder mit dem Mountainbike starten. Rund um die Ehrwalder Alm gibt es unzählige gut markierte Routen, von gemütlichen Wegen bis zu anspruchsvolleren Touren über Wildblumenwiesen, durch Wälder und Schluchten. Wer nicht allein losziehen möchte, schließt sich den Guides vom eriro an. Und Frühaufsteher bekommen ihr Frühstück sogar zum Sonnenaufgang auf dem Berg serviert.


Wir beginnen mit einem Spaziergang zum Ehrwalder Almsee. Der kleine Abstecher lohnt sich schon allein wegen des türkisfarbenen Wassers und des Zugspitz-Panoramas. Baden darf man hier allerdings nicht. Dafür springen wir später in den Außenpool des eriro und lassen uns danach auf den Liegen in der Sonne trocknen.


Im Haus selbst kann man in der Werkstatt unterm Dach töpfern, schnitzen oder malen. Yoga und Meditation finden nebenan in einem großen Raum mit Sonnenterrasse statt.

Spa und Entspannung im eriro

Am Abend gehen wir in den Spa und haben ihn tatsächlich ganz für uns allein. Bei gerade einmal neun Suiten und ohne feste Öffnungszeiten wahrscheinlich gar nicht so ungewöhnlich.


Viel Holz, Stein und gedämpftes Licht bestimmen die Atmosphäre. Durch die großen Glasflächen bleibt die Natur präsent. Es gibt eine finnische Sauna und eine Kräutersauna, verschiedene Wasserbecken und einen warmen Onsen-Pool.


Besonders schön finde ich den Heuraum. Man legt sich auf eine bequeme Infrarotliege, setzt Kopfhörer mit meditativer Entspannungsmusik auf und schaut auf einer großen Leinwand einen Film mit sensationellen Naturaufnahmen der Region. Und schaltet dabei total ab.

Die Region auf dem Teller

Auch bei der Kulinarik geht das eriro nicht den gängigen Weg. Natürlich gehören Frühstück, Lunch, kleine Snacks, Kuchen und Dinner zum Angebot. Eine Speisekarte gibt es allerdings nicht, ebenso wenig feste Zeiten. Wenn ich mein Frühstück erst um 13 Uhr möchte, kein Problem.


Aufgetischt werden nach und nach frisch gebackenes Brot, schön angerichtete Teller mit Käse, Gemüse und Obst sowie kleine Schälchen mit Marmelade, Müsli und Joghurt. Eierspeisen werden nach Wunsch zubereitet. Wer dazu noch etwas Deftiges möchte, bekommt zum Beispiel marinierten Saibling mit Roter Bete und Kräutern auf geröstetem Sauerteigbrot.


Abends erzählen uns Sandra oder Küchenchef Alex persönlich, was es zum Menü gibt. Und wenn man etwas nicht mag, gibt es eine geschmacklich passende Alternative.


Gekocht wird saisonal und möglichst mit dem, was aus der Region kommt. Alex und sein Team fermentieren, legen ein und konservieren, um vieles von dem, was während der kurzen alpinen Saison wächst, auch später noch verwenden zu können. Dabei wird es ziemlich kreativ.


Zu meinem Rindertatar esse ich zum ersten Mal säuerlich eingelegte junge Nadelbaumzapfen, die richtig gut schmecken. Genauso wie die Waldpilzconsommé mit Kräutern.


Wer möchte, kann Alex tagsüber in der Küche besuchen. In den Regalen stehen unzählige Gläser mit Eingemachtem und Fermentiertem. Er erklärt uns, welche Kräuter und anderen Zutaten er in der Region sammelt, wie er sie verarbeitet und haltbar macht, welche Aromen gut zusammenpassen und was er daraus kreiert.


Aus Regionalität wird hier keine große Nummer gemacht, sondern einfach konsequent auf sehr hohem Niveau gekocht.

Einfach eriro

Zurück zum Ursprung, zur Natur, zum Wesentlichen. Das ist die Philosophie, die sich durch das ganze Haus zieht. Als Gast genießt man dabei erstaunlich viel Freiheit. Man muss sich um fast nichts kümmern und macht einfach das, worauf man gerade Lust hat.


Am letzten Abend sitzen wir wieder auf unserem Balkon und schauen hinaus auf die Berge. Es wird langsam dunkel und immer stiller.


Unten im Tal geht das normale Leben weiter. Hier oben fühlt es sich ziemlich weit weg an.



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